Psychotherapie Hartmann

 

Zur Wirksamkeit der SMOKEX®-Methode

Zu den Erfolgsraten von Raucherentwöhnungsprogrammen im Allgemeinen

Erfolgsraten, die in populären Taschenbüchern für die jeweils propagierte Raucherentwöhnungs-Methode behauptet werden, sind meist nicht reliabel. Angeblich hat jeder dieser Autoren schon Tausende von bedauernswerten Rauchern zu glücklichen Ex-Rauchern gemacht (Carr, 1992). Ein überprüfbarer Nachweis aber wird nicht erbracht, oder er wird umgangen, indem versichert wird: "Wir haben uns persönlich vom Erfolg Tausender und aber Tausender von starken Raucher überzeugt, die sich das Rauchen abgewöhnten" (McFarland & Folkenberg, 1989, S. 8).
Die Erfolgsquoten von 19 amerikanischen Studien zur Raucherentwöhnung variieren von 4% bis 88%, mit einem Mittelwert um 50%. (Agee, 1983). Als Berechnungsbasis diente dabei meistens die Zahl der Rückmelder zum Katamnesezeitpunkt, nicht aber die Zahl der Gesamtteilnehmer. Diese Handhabung der Daten ist auch heute noch verbreitet. Sie führt jedoch zu Ergebnisverzerrungen, denn ausbleibende Rückmeldungen sind in der Regel mit Fehlschlägen gleichzusetzen. Wenn die von Agee referierten Untersuchungen um diesen systematischen Fehler bereinigt werden, ergibt sich nur noch eine Rate von durchschnittlich 25% dauerhafter Erfolge.

Dieser Mittelwert schließt nicht aus, dass einzelne Behandler weitaus bessere Ergebnisse nachweisen können. Zum Beispiel wird in einer reliablen Studie der Hypnosetherapeuten Wester & Robinson (1991) bereits eine Erfolgsquote von 70 % berichtet. Aber schon die in den Übersichten von Agee (1983) und Holroyd (1980) referierten Studien zeigten, dass es eine empirisch gut bestätigte Indikation für Hypnose gibt. Raucherentwöhnung mit Hypnose gehört nachweisbar zu den effektiveren Methoden.

Sobald nicht nur das momentane Beenden des Rauchens erfasst wird, sondern auch die Langzeitwirkung über 12 Monate und länger, zeigt sich bei Behandlungen mit nur einer Sitzung oder in größeren Gruppen eine höhere Rückfallquote. Wenn dabei lediglich Hypnose mit standardisierten Suggestionen zum Einsatz gelangt, scheinen wichtige Erfahrungen zu kurz zu kommen, die für ein wirkliches Freiwerden von der Sucht erforderlich sind.
In einer neueren kontrollierten Studie am Institut für Psychologie der Universität Tübingen, bei der ein modernes hypnotherapeutisches Vorgehen praktiziert wurde, ergab sich ein dauerhafter Erfolg bei über 60 % der Probanden (Revenstorf, D., Schweizer, C. & Schlarb, A. (2001) Hypnotherapeutische Raucherentwöhnung in Gruppen. Experimentelle und Angewandte Hypnose, 17, 61-99). Die Entwöhnung wurde von Diplomanden, also Berufsanfängern, durchgeführt. Bei erfahrenen Suchttherapeuten, die hypnotherapeutische Raucherentwöhnung in optimalen Settings durchführen, kann eine größere Effizienz vorausgesetzt und eine noch höhere Erfolgsquote erwartet werden. Dies ist bei SMOKEX® offensichtlich der Fall; eine kontrollierte Studie steht aber noch aus.

Erfolgsrate: fundiertes Forschungsergebnis oder beliebiges Argument zum Kundenfang?
Bei kritischer Betrachtung zeigt es sich, dass sich die Aussagen zum Erfolg von Entwöhnungsprogrammen folgenden fünf Typen zuordnen lassen:

1. Reine Behauptungen ohne jegliche wissenschaftliche Fundierung
Diese Aussagen werden von Raucherentwöhnung anbietenden Laien gemacht, die durch ihr offensives Marketing (Medienpräsenz, Anzeigen, populär geschriebene Bücher) bekannt sind. Dadurch erreichen sie mehr Raucher als die wissenschaftlich fundierten Methoden. Diese Einzelbehandler und Organisationen verdienen den Löwenanteil des Geldes, das Raucher für Entwöhnung ausgeben. Sie ködern diese mit der Behauptung, dass 90% ihrer Kunden garantiert Erfolg hätten. Dazu verweisen Sie auf angeblich gerade laufende Studien, die aber leider noch nicht abgeschlossen seien oder betonen ihre Geld-zurück-Garantie. Beides lässt sich unschwer als gut kalkulierte Taktik entlarven, verfehlt aber beim naiven Publikum nicht seine Wirkung (vergleiche hierzu die Marketingstrategie der Carr-Gruppen). Nur frage ich mich: Weshalb hat eine Organisation mit solch enormem cash flow noch kein Universitätsinstitut dabei unterstützt, eine unabhängige oder gar vergleichende Effektivitätsstudie durchzuführen? Und: Weshalb kommen so viele Raucher, die in Carr-Gruppen oder bei den Herren Palivoda oder Pfister das Rauchen schon einmal beendet hatten, in meine Praxis, um endgültig mit dem Rauchen aufzuhören? Ein Fallbericht erscheint im Herbst 2004 in dem Buch Warum Hypnose (Hrsg. H.-J. Ebell & H. Schuckall) im Pflaum Verlag.

2. Im wissenschaftlichen Gewand erscheinende aber unzutreffende Aussagen
Hier gibt es die fragwürdigen Experten, die mittels ihrer akademischen Titel oder dem Ansehen ihrer Klinik das Geschäft mit dem auf Seriosität angewiesenen Raucher machen. Da wird z. B. behauptet: "Die Erfolgsquote unserer Klinik liegt bei 90%" (Dr. M. Gabler, Rot-Kreuz-Zentrum Nürnberg, der das so genannte Detox-N-Verfahren propagiert). Wie kommt es zu dieser Täuschung der potentiellen Kunden? Ganz einfach: Im Unterschied zur seriösen wissenschaftlichen Berechnung (bei der ausbleibende Rückmeldungen mit Fehlschlägen gleichgesetzt werden), wird hier die ausbleibende Rückmeldung als Erfolg gebucht: "Die meisten Patienten rufen nicht mehr an. Das ist das beste Zeichen, denn wenn es nicht funktioniert hätte, würden sie doch anrufen".

Dieses Argumentationsmuster wird immer wieder benutzt - von den Geschäftemachern der Branche und bedauerlicherweise auch von Personen, die zur wissenschaftlichen Gemeinde zählen.

3. Nicht reliable Effektivitätsstudien
Zu dieser Gruppe gehören die nicht reliablen und meist von interessierter Seite veranlassten Studien. Ein bekanntes Beispiel ist die Untersuchung von D. Jorenby (Univ. Wisconsin), die dem Pharma-Unternehmen Glaxo Wellcome zur Werbung für das Medikament Zyban (ein Antidepressivum, das zur Minderung von Entzugserscheinungen eingesetzt werden kann) dient.
Auch beim Zitieren von Studien über die Wirksamkeit von Nikotinpflaster wird der Leser getäuscht bzw. wird die geringe Effizienz raffiniert verschleiert.

4. Reliable Studien mit relativ geringen Erfolgsquoten
Relativ bescheidene Erfolgsraten resultieren, wenn z.B. im Rahmen einer Diplomarbeit ein Verfahren wissenschaftich solide auf seine Effizienz überprüft wird. Fehlerbereinigt ergibt sich meistens, dass nach einem Jahr im Durchschnitt nur noch 25% der Probanden rauchfrei sind. Man kann natürlich argumentieren, es handele sich schließlich bei über 80% der Raucher um eine Sucht - und für eine Suchttherapie sei eine Erfolgsquote von 25% nicht schlecht. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass bei drei von vier Rauchern diese Behandlung zu einem Versagenserlebnis beiträgt.

Bei nüchterner Betrachtung muss zugegeben werden, dass dies für die verhaltenstherapeutischen Nichtrauchertrainings, die in den vergangenen Jahrzehnten mit vielen Millionen Mark aus Versichertengeldern und Steuermitteln subventioniert wurden, in der Regel zutrifft. Eine neutrale Institution bestätigte unlängst in ihrer offiziellen Informationsschrift die Unterlegenheit der verhaltenstherapeutischen Raucherentwöhnung: "Neben dem von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung entwickelten (verhaltenstherapeutisch orientierten) Kurs wird ein Nichtraucher-Training angeboten, in dem mehrere Verfahren kombiniert werden. Dadurch können nachweislich bessere Ergebnisse erzielt werden." (Gesundheitspark der VHS München). Diese Gruppen werden von Mitgliedern der SMOKEX®-Arbeitsgemeinschaft geleitet.

5. Reliable Studien mit höheren Erfolgsquoten
Effektivitätsstudien wie die oben bereits erwähnten von Wester & Robinson (1991) oder Revenstorf et al. (2001) zählen zu dieser Gruppe von Untersuchungen. Sie ist noch nicht sehr umfangreich. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Behandler, die dermaßen erfolgreich arbeiten, einen Effizienznachweis durch eine aufwändige kontrollierte Studie nicht benötigen. Sie brauchen keine zusätzliche PR, denn ihre zufriedenen Kunden sind ihre besten Werbeträger. Also können sie auf eine Studie und den mit ihr verbundenen zeitlichen und finanziellen Aufwand verzichten. - Eine zweite Erklärung könnte der Mangel an Forschungsgeldern für reliable Untersuchungen sein. Kein Pharma-Unternehmen und erst recht kein Tabakkonzern unterstützt finanziell eine Studie, deren Ergebnisse die eigenen wirtschaftlichen Interessen konterkariert. In Deutschland ist zudem die Vermutung berechtigt, dass auch staatliche Stellen sich hier in einen Interessenkonflikt befinden.

(Zitiert aus einem Vortragsmanuskript von Wilhelm Gerl anlässlich der Hypnotherapietage Bad Orb, 2004)

Zu den Erfolgsraten des SMOKEX®-Konzeptes im Vergleich zu Kurzzeitinterventionen


Drei bis fünf Sitzungen

Es handelt sich bei hypnotherapeutischen Behandlungen häufig um kurzzeittherapeutische Ansätze. Dies wird jedoch gerade in der Raucherentwöhnung häufig fehlinterpretiert, indem nur eine einmalige Behandlungssitzung (nicht selten auch in größeren Gruppen) vorgesehen ist.

Die meisten Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese Angebote keine hohe Erfolgsaussicht haben. Es gibt zwar immer wieder Einzelfallberichte von Rauchern, die auch von einer einzigen Sitzung profitieren konnten. Systematische Studien können diesen Effekt jedoch nicht belegen. Es ist eher davon auszugehen, dass die Abstinenz nach einer einmaligen Konsultation weniger auf der Qualität der Behand-lung als auf motivationalen Faktoren des Betroffenen beruht.

Bei den "Rauchfrei in einer Sitzung"-Angeboten wird zudem nie überprüft, ob beim Raucher überhaupt eine stoffliche Abhängigkeit (Nikotinsucht) vorliegt oder lediglich ein hochtrainiertes Verhalten ("suchtartige Gewohnheit"). Im zweiten Fall kann ein überzeugendes Ritual ausreichen, den Entschluss in die Tat umzusetzen, sofern es sich um eine autonom gewordene, gereifte und verhaltenskompetente Persönlichkeit jenseits der 50 handelt.

Seriöse Studienergebnisse legen nahe, die Raucherentwöhnung in einem Umfang von drei bis fünf Sitzungen durchzuführen. [...] Erst bei einem länger angelegten Behandlungsrahmen lässt sich eine individuelle Behandlung realisieren. Bei einem einmaligen Treffen müssen zwangsläufig standardisierte Interventionen und Suggestionen eingesetzt werden. Damit wird man aber der Individualität der Rauchhistorie, der aktuellen Situation des Rauchers und seiner eigenen Möglichkeiten und Ziele nicht gerecht.

Ein nikotinsüchtiger Raucher lernt in einer Sitzung zu wenig von dem, was er benötigt, um nachhaltig - auch in neuen Lebenslagen und unvorhergesehen Versu-chungssituationen - rauchfrei zu bleiben. Ritualistische (standardisierte) Hypnose-praktiken vernachlässigen die Möglichkeiten der modernen Hypnose als Therapie (Gerl, 1990, 1998; Revenstorf & Peter, 2001, 2009)

(aus: Riegel, B., Gerl, W. (2012). Nachhaltige Raucherentwöhnung mit Hypnose. Stuttgart: Klett-Cotta, mit freundlicher Genehmigung von Wilhelm Gerl)